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Klaus Zumwinkel

Klaus Zumwinkel: Wem nützt es?

18.2.2008 - Schon merkelhaft und winkelwürdig - Verzeihung! merkelwürdig und winkelhaft, wie schnell so ein Wikipedia-Artikel aktualisiert wird: http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Zumwinkel . Die Christel von der Post genießt nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit, obwohl sie dem gemeinen Postkunden und den Postmitarbeitern trotz ihres operettenhaften gesellschaftlichen Hintergrundes im Vogelhändler von Carl Zeller wesentlich näher steht.

Die Mitarbeiterzeitschrift hieß "Christel von der Post", als das Unternehmen noch eine Behörde war und der Chef ein Minister. Doch mich interessiert gar nicht die geistige Nähe zu Bananenrepubliken und Operetten. Wie sieht vielmehr das bundesdeutsche Steuersystem gegenwärtig aus? Da möchte ich gerne argumentativ ansetzen, auch wenn es satirisch anmutet.

Gibt es Steuergerechtigkeit?

Wenn ein kleiner Unternehmer Umsatzsteuer zahlt, obwohl er aufgrund geringer Umsätze noch nicht verpflichtet ist, Vorsteuer geltend zu machen und Mehrwertsteuer auszuweisen, dann ist er meist auch außerstande, sich einen Steuerberater zu leisten. Somit wird er alle paar Jahre einer finanzamtlichen Außenprüfung oder Betriebsprüfung unterzogen.

Steuerberater und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind außen vor. Die können machen, was sie wollen, ohne daß ihnen Betriebsprüfer auf die Finger schauen, geschweige denn drauf klopfen dürfen. Wer Subventionen kassiert und Arbeitsplätze schafft, geht oft steuerfrei aus, obwohl die Masse der Lorbeeren unserer Volkswirtschaft der Mittelstand verdient und nicht Aktiengesellschaften weltweit operierender Konzerne.

Was veranlaßt nun einen Mittelständler wie Klaus Zumwinkel, der als angestellter Manager und "Leistungsträger" kein Dienstbote oder Wasserträger mehr ist und sich über Erbschaftssteuer und Kapitalertragssteuer aufzuregen weiß, sein mühsam Erspartes steuerbegünstigt in Liechtenstein anzulegen? Wer sein versteuertes Einkommen nicht auf den Kopf haut, wird nochmals zur Kasse gebeten. Reichtum wird bestraft.

Operette oder Bananenrepublik?

Die medienwirksam inszenierte Razzia in der Villa Zumwinkel war märchenhaft gut vorbereitet. Die Aufforderungen zur Selbstanzeige mit dem Angebot zur Straffreiheit sind so korrupt wie eine Banae krumm ist. Ob es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt, erfahren wir irgendwann oder überhaupt nicht. Man ist diskret in gewissen Kreisen.

Da hilft keine Steuerflucht mehr, sondern nur noch die Flucht in die Satire und ins Kabarett. Es hilft auch nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Kolumnenschreiber, Karikaturisten und Kabarettisten haben jetzt Stoff in Hülle und Fülle.

Die fünfte Jahreszeit ist vorbei, also darf es wieder mal ein Skandal sein. Alkohol und Drogen schaden der Gesundheit, sind außerdem zu teuer. Eines ist gewiß: Die nächste Steuerprüfung.

Wissen Sie was? Als Ergebnis einer jeden Steuerprüfung müssen die Tagessätze der Außenprüfer abgedeckt sein. Ist es mehr, gibt es eine Belobigung. Ist es weniger, bleibt die Beförderung aus. Noch Fragen? Jetzt wissen Sie wenigstens, was auf Sie zukommt. Oder sind Sie etwa schon ein Leistungsträger? Dann dürfen Sie sich selbst anzeigen!


 

 


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